„Als sie auf ihrem Weg weiterzogen, redete ein Mann Jesus an und sagte: Ich will dir folgen, wohin du auch gehst. Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.
Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben. Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes!
Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich von meiner Familie Abschied nehmen. Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.“ (Lk 9, 57-62)
Nachfolge kann auch Einsamkeit bedeuten, Heimatlosigkeit, Unbehaustheit.
„Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden“, heißt es im Johannes-Evangelium. Nachfolge kann Trennung bedeuten von denen, die mir lieb und teuer sind. Auch die neue Gemeinschaft ist nicht immer Kuschelecke.
Als Elischa von Elija zur Nachfolge berufen wurde, durfte er erst ein Abschiedsfest feiern. Dazu schlachtete er die Rinder, mit denen er beim Pflügen gewesen war und machte mit ihrem Joch ein Feuer, um sie zuzubereiten.
Jesus will mit seiner Zuspitzung nicht die Gesetze der Elternliebe und der Pietät vor den Toten außer Kraft setzen, wohl aber darauf hinweisen, dass mich nicht nur hindern kann, was ich habe und besitze, an der Nachfolge hindern können mich auch die Bindungen und Beziehungen, in denen ich lebe.
„Da sagte Johannes: Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb, und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er nicht mit uns zusammen dir nachfolgt. Jesus antwortete ihm: Hindert ihn nicht! Denn wer nicht gegen euch ist, der ist für euch. –
Als die Zeit herankam, in der er (in den Himmel) aufgenommen werden sollte, entschloss sich Jesus, nach Jerusalem zu gehen. Und er schickte Boten vor sich her. Diese kamen in ein samaritisches Dorf und wollten eine Unterkunft für ihn besorgen. Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war. Als die Jünger Jakobus und Johannes das sahen, sagten sie: Herr, sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet? Da wandte er sich um und wies sie zurecht. Und sie gingen zusammen in ein anderes Dorf.“ (Lk 9, 49-56)
Die Qualität christlicher Gemeinschaft entscheidet sich am Umgang mit der Macht, am Herrschen oder Dienen. Sie entscheidet sich ebenso am Umgang mit den Außenstehenden und Anderen. Schauen wir auf das, was uns trennt? Oder auf das, was uns verbindet, der Name Jesu – oder noch umfassender die Liebe zu den Menschen?
Jakobus und Johannes werden an anderer Stelle die Donnersöhne genannt. Wie Elija müssen sie lernen, dass Gott nicht im Erdbeben, Sturm oder Feuer ist, sondern in seiner leisen und liebevollen, unauffälligen, bisweilen ohnmächtig wirkenden Anwesenheit.
Wer im Namen Jesu unterwegs ist, muss auf jede Drohgebärde verzichten, das bleibt immer eine Herausforderung.
„Unter den Jüngern kam die Frage auf, wer von ihnen der Größte sei. Jesus wusste, was in ihrem Herzen vorging. Deshalb nahm er ein Kind, stellte es neben sich und sagte zu ihnen: Wer dieses Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf; wer aber mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. Denn wer unter euch allen der Kleinste ist, der ist groß.“ (Lk 9, 46-48)
"Es entstand unter ihnen ein Streit darüber, wer von ihnen wohl der Größte sei. Da sagte Jesus: Die Könige herrschen über ihre Völker, und die Mächtigen lassen sich Wohltäter nennen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern der Größte unter euch soll werden wie der Kleinste, und er Führende soll werden wie der Dienende. Welcher von beiden ist größer: wer bei Tisch sitzt oder wer bedient? Natürlich der, der bei Tisch sitzt. Ich aber bin unter euch wie der, der bedient.“ (Lk 22, 24-27)
Größer als die anderen sein zu wollen, am besten der größte von allen, scheint eine Ursehnsucht des Menschen zu sein und eine Urversuchung. Die Jünger machen da keine Ausnahme.
Jesus packt sie bei dieser Sehnsucht und stellt diese auf den Kopf: Ihr könnt die Größten sein, indem ihr euch zu den Kleinsten macht.
Nicht, um uns klein zu machen, sagt Jesus das, sondern um unsere Machtgelüste zu entwaffnen, die der Tod jeder Gemeinschaft sind.
Wenn ihr euch groß vorkommt, habt ihr mein Beispiel nicht vor Augen, denn ich bin zum Dienen bereit.
Wenn ihr euch groß vorkommt, habt ihr kein Herz mehr für die Kleinen, in denen ich euch begegnen will.
Entscheidungen haben nicht nur mit unserem Denken, sondern auch mit unserem Fühlen zu tun. Man entscheidet nur gut, wenn auch das Herz dabei sein kann.
Oft ist das Herz allerdings schneller und wir haben uns schon vorentschieden, bevor wir überhaupt richtig ans Überlegen gehen. Da kann es gut sein, den eigenen Beweggründen auf die Spur zu kommen und auch das Loslassen zu üben.
Was verliere ich, was gewinne ich, wenn …
Was verliere, was gewinne ich, wenn nicht …
Zu Beginn des Entscheidens ist es also gut, auf die eigenen Gefühle zu achten, sie ehrlich anzuerkennen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Während des Entscheidens können die Gefühle eine Richtschnur sein: Wo entsteht das Gefühl von Zuversicht, Stimmigkeit, Freude? Wenn diese Gefühle nicht nur kurz da sind, sondern auch länger anhalten, ist das eine gute Spur.
Anfang, Mitte und Ende sollen gut sein, meint Ignatius, und das gilt sowohl in Bezug auf das, was wir denken, als auch in Bezug auf das, was wir fühlen.