Jesus war etwa dreißig Jahre alt, als er zum erstenmal öffentlich auftrat. Man hielt ihn für den Sohn Josefs. Dessen Vorfahren waren: Eli, Mattat, Levi, Melchi, Jannai, Josef, Mattitja, Amos, Nahum, Hesli, Naggai, Mahat, Mattitja, Schimi, Josech, Joda, Johanan, Resa, Serubbabel, Schealtiël, Neri, Melchi, Addi, Kosam, Elmadam, Er, Joschua, Eliëser, Jorim, Mattat, Levi, Simeon, Juda, Josef, Jonam, Eljakim, Melea, Menna, Mattata, Natan, David, Isai, Obed, Boas, Salmon, Nachschon, Amminadab, Admin, Arni, Hezron, Perez, Juda, Jakob, Isaak, Abraham, Terach, Nahor, Serug, Regu, Peleg, Eber, Schelach, Kenan, Arpachschad, Sem, Noach, Lamech, Metusche-lach, Henoch, Jered, Mahalalel, Kenan, Enosch, Set, Adam, Gott. (Lk, 3, 23–38)
Mit 30 Jahren konnte ein Mann öffentliche Ämter ausüben, kultische Aufgaben übernehmen und als Prophet auftreten. Der Stammbaum im Mattäus-Evangelium reicht nur bis Abraham, dieser geht bis Adam. So sind hier alle Menschen eingeschlossen. Darüber hinaus können wir darüber nachsinnen, mit welchen Worten wir die Verbindung zwischen unserer Wirklichkeit und Gott beschreiben würden.´Vielleicht nicht so, dass wir direkt von Gott abstammen, weil am sechsten Tag der Schöpfung von ihm geschaffen. Vielleicht aber so, dass alles aus Gott entspringt und es seiner Absicht entspricht, dass wir sind.
Vielleicht konnten wir schon manchmal in der Natur etwas von der göttlichen Weisheit entdecken.
Und für das Ende rechnen wir vielleicht nicht damit, dass Jesus wiederkehrt und dann für alle Menschen auf einmal Schluss ist. Vielleicht glauben wir eher, dass wir ihm am Ende unseres persönlichen Lebens begegnen werden, dass wir mit unseren Lieben vereint und mit Gott in seiner Fülle leben dürfen.
Und zwischen Anfang und Ende könnte unsere irdische Wirklichkeit von Gottes größerer Wirklichkeit umfangen und gehalten sein, so dass wir uns getragen, unterstützt und geleitet wissen.
Vielleicht auch haben wir hie und da erfahren, dass Gott zwar nicht direkt eingegriffen, sich das eine oder andere aber doch wunderbar gefügt hat.
Zusammen mit dem ganzen Volk ließ auch Jesus sich taufen. Und während er betete, öffnete sich der Himmel, und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden. (Lk 3, 21-22)
Im Markus-Evangelium ist zu lesen, Jesus habe den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen sehen. Bei Lukas wird die sichtbare Gestalt der Taube und damit dass Öffentliche des Geschehens betont. Uns macht er es dadurch nicht leichter. Gottes Geist – die Taube ist nur der Bote – ist eben nicht greifbar und kann nicht hergezeigt werden. Am Anfang, bevor etwas war, war der Geist über der Urflut (Gen 1, 2). Ansonsten weht er, wo er will (Joh 3, 8).
Er ist das Wirken Gottes in der Welt, er ist das Wirken Gottes in mir, sürbar manchmal vor allem in den Auswirkungen. Er ist Gottes Kraft in mir, Gottes Weisheit, die mich im Gewissen zu leiten vermag, der göttliche Funke, der nie erlischt, auch wenn mein Glaube auf Sparflamme brennt. Aus Gottes Geist wird Jesus leben und wirken. Ich kann mich neben ihn stellen unter den nunmehr geöffneten Himmel ... Ich kann Jesus auch mit den Augen Gottes betrachten, der eben seine Liebe erklärt: Du bist mein Sohn, mein geliebter, meine Freude ..
Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, noch ehe das Kind im Schoß seiner Mutter empfangen wurde. (Lk 2, 21)
Jesus (in anderer Form Josua, beides abgeleitet von Jehoschua) ist ein guter jüdischer Name mit der Bedeutung: Gott hilft. Es ist aber im Judentum auch ein Allerweltsname. So hießen viele; mit einem solchen Namen kann man verwechselt werden.
Einzigartig wird Jesus nicht durch seinen Namen, sondern durch sein Leben. Dies gilt auch für jede(n) von uns. Nicht nur mein Name, sondern mein Leben ist in die Hand Gottes eingezeichnet (vgl. Jes 49, 16), unverwechsel-bar und für immer.
Gott muss sich auf einen Namen und auf einen Zeitpunkt in der Geschichte der Menschheit festlegen, auf einen Ort oder den kleinen Radius eines Menschen, auf ein Geschlecht, einen Kulturkreis usw. Das mag uns anstößig sein, aber es geht nicht anders, wenn es Gott mit dem Menschwerden ernst ist.
Weil es uns selbstverständlich ist, verlieren wir manchmal das Großartige unseres christlichen Glaubens aus den Augen: dass wir Gott nicht nur als den Namen-, Bild- und Weiselosen anbeten, ihn nicht nur als den Urgrund alles Seienden und in allem Anwesenden und Wirkenden verehren, sondern ihn in einem menschlichen Antlitz wiederfinden können, in Jesus, dem Bild des unsichtbaren Gottes (Kol 1, 15).
Beten ist Beziehung zwischen mir und Gott, Beten ist Dialog mit Worten oder ohne. Wir sahen, dass wir mit uns selber anfangen dürfen, damit, wie es uns geht und wonach wir uns sehnen. Das sagen wir Gott, zeigen es ihm, legen es vor ihn hin ...
In einem zweiten Schritt hören wir auf Gott, indem wir lesen, was in einer Bibelstelle steht. Wir setzen unser Vorstellungsvermögen ein, um zu sehen, zu hören oder zu fühlen. Wir suchen unseren Platz in der Wirklichkeit der Schriftstelle und bringen dadurch zugleich Gottes Wort in unser Leben, übersetzen es in unsere Wirklichkeit.
Dieses dialogische Geschehen wird im dritten Schritt noch einmal intensiviert. „Das Gespräch wird gehalten, indem man eigentlich spricht, so wie ein Freund zu einem anderen spricht oder ein Knecht zu seinem Herrn“, lautet die Anweisung bei Ignatius. Die Schriftstelle hat ihre Rolle gespielt und tritt nun in den Hintergrund.
Der Kontakt zu Gott (oder zu Jesus, den ich mir eher vorstellen kann, oder in der Kraft des Gottesgeistes) ist freundschaftlich, von Vertrauen geprägt, respektvoll und intim zugleich. Und er ist Mitteilung von beiden Seiten. Ich spreche, drücke mich aus, lege dar ... Ich halte inne, vernehme, lasse mir zeigen ... Und wie bei guten Freunden, bei Menschen, die miteinander vertraut sind, ist da oft auch Verstehen ohne Worte, Freude am stillen Beisammensein.